Für die Zukunft des Schienenverkehrs

Für die Zukunft des Schienenverkehrs

Die Strecke Olten-Aarau gehört zu den am stärksten befahrenen Bahnachsen der Schweiz. Ausgerechnet dort, zwischen Däniken und Wöschnau, gab es jahrelang eine Verengung von vier Spuren auf zwei. Bund und SBB beauftragten neun Baufirmen, diesen Engpass zu beheben – was nun mehr und bessere Verbindungen für Reisende ermöglicht.

Es sind beeindruckende Zahlen, die den Vierspurausbau Olten-Aarau auszeichnen: In zehn Teilprojekten zu Gesamtprojektkosten von 855 Millionen Franken bauten ab Sommer 2015 bis Dezember 2020 neun Baufirmen die Zufahrt Olten aus, legten ein viertes 2.5 Kilometer langes Gleis zwischen Dulliken und Däniken und bauten – als Herzstück des Projekts – einen doppelspurigen, drei Kilometer langen Tunnel durch den Eppenberg. Die Hauptverantwortung für die Ausführung des Grossprojekts trägt SBB-Oberbauleiter/Abschnittsleiter Benjamin Karli. Er ist 2015 für dieses Projekt zur SBB gestossen, nachdem sich in den Jahren davor seine Faszination zu Grossbauprojekten festigte. Zuvor arbeitete er unter anderem am Tunnel de Graitery der Autobahn A16 bei Moutier und beim Pumpspeicherwerk Nant de Drance mit. Beim SBB-Projekt übernahm er nun die Oberbauleitung. Seit Dezember 2020 sind die Haupt-Bauarbeiten abgeschlossen; der Eppenbergtunnel ist seit dem Fahrplanwechsel in Betrieb. «Wir sind pünktlich fertig geworden», sagt Benjamin Karli zufrieden. Selbstverständlich ist das rückblickend überhaupt nicht.

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Ein Grossprojekt mit Tücken
«Die Stammstrecke musste mehrmals verlegt werden, um Baufelder freizugeben», berichtet Benjamin Karli. Die Bauarbeiten erfolgten dabei stets nahe am laufenden Schienenverkehr – Warn- und Kontrollsysteme waren dementsprechend wichtig. Doch damit der Herausforderungen nicht genug: Die Tunnelbohrmaschine unterfuhr ein Wohngebiet in Gretzenbach. «Wir legten grossen Wert auf einen engen und sorgfältigen Dialog mit den Anwohnern», sagt Benjamin Karli. Die Berücksichtigung verschiedener Anspruchsgruppen und die Koordination zwischen Planer, Bauherrschaft sowie Unternehmungen nahm Karli als besondere Herausforderung wahr.

Vorteile und positive Erinnerungen
Wie auf vielen Grossbaustellen mit mehreren hundert Mitarbeitenden waren auch hier zahlreiche Berufsgruppen verschiedener Ausbildungsstufen involviert – vom Lernenden bis zum Bauführer. Ein Beispiel dafür ist Michael Schurter. Er absolvierte 2013 die Lehre zum Maurer, und mit nur 26 Jahren wirkte er nun als Bauführer für die Marti AG auf der Grossbaustelle – für ihn ist es das erste grosse Bauprojekt. «Man muss sicher belastbar, kommunikativ und ausdauernd sein», sagt er über die Anforderungen an seinen Beruf. In Stresssituationen dürfe man die Nerven nicht verlieren. Doch gute Arbeit macht sich belohnt, in mehrfacher Hinsicht. «Das erschaffene Bauwerk vor sich zu sehen, das macht stolz!», sagt Michael Schurter.

Auch Benjamin Karli erinnert sich stolz an grosse Erfolgsmomente: «Nachdem die Tunnelbohrmaschine die letzten Meter durchfahren hatte, stiegen die Bauarbeiter vor Vertretern aus Medien, Politik und vielen weiteren Gästen aus dem Bohrkopf – ein emotionaler Moment, sind doch mit dem Durchstich ein Grossteil der Baurisiken überwunden». Aber auch die kleinen Momente im Alltag, wenn etwa eine ungezwungene Kaffeepause unter den verschiedenen Projektbeteiligten möglich war, bleiben ihm in guter Erinnerung. «Und am Ende des Projekts ist auch eine grosse Dankbarkeit hier, keinen schweren Unfall verbuchen zu müssen.»

Eppenberg_Tunnelarbeiten

Nach erfolgter Rückverlegung der Stammlinie bauten die Bauarbeiter ab Sommer 2021 die restlichen Baustelleninstallationen zurück. Per Ende 2021 sollen die Bauarbeiten ganz abgeschlossen sein. Nun bringt der Ausbau zahlreiche Verbesserungen für den Schienenverkehr mit sich, in verschiedener Hinsicht: Regional- und Fernverkehr profitieren von zusätzlichen Verbindungen, und gleichermassen stellt die SBB mit dem Ausbau sicher, dass trotz Zunahme im Personenverkehr genug Kapazitäten für den Güterverkehr bleiben. Der Vierspurausbau sei zudem die zentrale Voraussetzung, damit auch künftige Ausbauprojekte möglich seien, sagt Benjamin Karli. «Es ist der Grundstein für zukünftige Verbesserungen.»

Eine Karriere auf dem Bau hat viel zu bieten. Um Fachkräfte der Zukunft anziehen, ausbilden und in der Branche halten zu können, kommt den Bauunternehmen eine zentrale Rolle zu. Auf den Baustellen der einzelnen Firmen entscheidet sich, ob interessierte Talente bleiben und zu Leistungsträgern werden können. Viele Mitglieder des SBV machen hier einen tollen Job. In der Berufswerbungskampagne setzt der SBV bewusst auf gute Geschichten direkt aus den Unternehmen.

Hat auch Ihre Firma ein tolles Projekt für Lernende? Nehmen Sie Kontakt mit uns auf und schicken Sie Bilder und Inputs an brfswrbngbmstrch.