B-Boy in Action

B-Boy in Action

Strassenbau-Lernender Andreas Koch ist ein echter B-Boy – auch Breakdancer genannt. Was in den Strassen von New York cool aussieht, funktioniert auch in Sursee!

Andreas Koch (16) ist angehender Strassenbauer und leidenschaftlicher Breakdancer. Und weil er aktuell gerade Blockkurs an der Berufsfachschule Verkehrswegbauer in Sursee hat, funktioniert er den Campus kurzerhand zum Dancefloor um. Gekonnt zeigt er uns ein paar lockere Top Rockings, wirft sich für eine Reihe Footworks auf den staubigen Betonboden und setzt einen perfekten Freeze auf dem Pingpong-Tisch in Szene. Ein echter B-Boy weiss natürlich genau, um was es geht. Für alle anderen: Breakdance oder eben B-Boying, wie es ursprünglich hiess, wurde auf den Strassen von New York erfunden. Es ist Teil der Hip Hop-Bewegung in Manhattan und der Bronx. Die verschiedenen Moves – also die Tanzbewegungen – haben englische Namen. Da wäre Top Rocking: So heisst das generelle Tanzen stehend. Footwork oder auch Downrocking hingegen sind Tanzschritte am Boden und schliesslich die Freezes: Hier verharrt der Tänzer in einer Pose, die möglichst eindrucksvoll aussieht – zum Beispiel auf einer Hand balancierend, die Beine gegrätscht nach oben und den zweiten Arm hinter dem Rücken. Ein Footwork mit einem anschliessenden Freeze nennt man auch ‹Style›. Klingt jetzt alles ziemlich kompliziert und anstrengend ist es auch noch, auch wenn es bei Andreas völlig easy und locker rüberkommt: «Ich habe vor vier Jahren mit Breakdance angefangen. Die Moves beanspruchen vor allem die Handgelenke und Hände. Deshalb ist es wichtig, sich gut zu dehnen vor dem Training.» Mit der Zeit gibt’s ordentlich Hornhaut an den Handflächen. «Ich bin jetzt kein Muskelprotz und mache sonst keinen anderen Sport, aber mit dem BreakdanceTraining wurde ich schon fitter.»

b-boy

Nicht ohne meine Mütze
Fürs Breakdancen braucht es kein grosses Equipment. «Pulswärmer sind wichtig, dann bleiben die Handgelenke schön geschmeidig.» Ansonsten ein cooler Streetstyle mit lockerem Shirt und Turnschuhen: «Für einige Figuren wären auch Knieschoner nicht schlecht. Kann man machen, allerdings finde ich sie ziemlich störend beim Tanzen. Da nehme ich lieber ein paar blaue Flecken in Kauf.» Und von denen kann es eine ganze Menge geben, wie Andreas weiss: «Ich war letzte Woche nach längerem Pausieren wieder im Training. Dabei fiel ich bei einem Footwork unglücklich auf die Hüfte, das war ziemlich schmerzhaft.» Klingt schon fast nach einer Risiko-Sportart… Aber Andreas relativiert: «Natürlich könnte man sich an allen möglichen Stellen verletzen, man bewegt sich ja auch viel. Aber bis auf einige Beulen ist mir bis jetzt noch nichts passiert.» Auf eine Schutzmassnahme verzichtet Andreas allerdings nicht: Für gewisse Figuren wie zum Beispiel den Head Spin – das Drehen auf dem Kopf – hat er eine Extra-Mütze, in die er zusätzlich noch Lappen reinstecken kann: «Ohne diese Polsterung würde das mein Kopf nicht aushalten.» Andreas trainiert bei bei der KSS Crew in Sirnach. «Ich habe lange gesucht, bis ich eine gute Trainingsmöglichkeit in der Nähe von zuhause gefunden habe.» Zum Training in Sirnach braucht er nur zehn Minuten und finanziell kann er sich den Jahresbeitrag leisten. «Ich zahle 60 Franken im Jahr. Am Mittwoch und am Donnerstagabend können wir im Tanzsaal mit grossen Spiegeln entweder frei trainieren oder unsere Trainer üben mit uns kurze Choreos, also Schrittabfolgen, ein. Die KSS Crew-Jungs sind super. Irgendwann möchte ich mal so gut werden wie mein Trainer.»

Battle of the year?
Das könnte aber nach Einschätzung von Andreas noch eine Weile dauern. «Als ich letztes Jahr meine Lehre als Strassenbauer angefangen habe, musste ich pausieren mit dem Breakdance.» Erst seit kurzem geht er wieder regelmässig einmal die Woche in den Tanzsaal. Battles – also Tanzwettbewerbe – hat er bis jetzt nur schulinterne absolviert: «Ich bin eher der nervöse Typ. Auch wenn ich hier in der Schule vor der Klasse etwas sagen muss, werde ich schon kribbelig. Bei den beiden Battles war ich super aufgeregt.» Der grösste internationale Breakdance-Wettbewerb der Welt ist der Battle of the Year, kurz BOTY. Jedes Jahr treten in Braunschweig in Deutschland Mannschaften aus der ganzen Welt gegeneinander an. «Es wäre natürlich toll, irgendwann als Teil der KSS Crew am BOTY teilzunehmen», so Andreas. Bis dahin gilt es: Freezes, Footworks und Powermoves üben, einmal die Woche im Training und ein bisschen zuhause vor dem Spiegel. Auch wenn dabei schon mal eine Lampe zu Bruch gehen kann.

Text: B. Magazin