Ein Dorf gerät ins Rutschen

Ein Dorf gerät ins Rutschen

Das Dorf Brienz/Brinzauls südlich der Lenzerheide hat keinen festen Boden mehr unter den Füssen. Denn seit 15 Jahren rutscht es auf einer Scholle Richtung Tal. Und das um zwei Millimeter pro Tag, das sind 70 Zentimeter pro Jahr. Für Geologen ist das rasend schnell, es besteht Handlungsbedarf. Kann der Vorgang gestoppt werden? Im Auftrag des Amtes für Wald und Naturgefahren des Kantons Graubünden bohrt zurzeit die Spezialtiefbau-Firma Stump-BTE, um mehr über den Aufbau des Untergrunds bis in eine Tiefe von rund 200 Metern zu erfahren.

«Wir brauchen diese Grundlagen, um herauszufinden, ob wir die Rutschungen sanieren können», so Andri Largiadèr vom Kanton Graubünden. Besonders interessant ist der sogenannte Hauptgleithorizont in rund 150 Metern Tiefe. Genau dort ist das Team von Stump-BTE angekommen: «Wir bohren im Seilkernbohrverfahren», erklärt Martin Glück von der Stump-BTE. Dazu verwendet sein Team ein sogenanntes Triplexrohr. Das Aussenrohr bohrt sich dabei in den Untergrund. Im zweiten Rohr, dem Innenrohr, befindet sich der Liner. Zum Bergen des Bohrkerns wird das Innenrohr mit dem Liner mittels einer Seilwinde hochgezogen. Der gesamte Bohrstrang bleibt im Bohrloch. «Dieses Verfahren bietet die beste derzeit mögliche Kernqualität», so Glück. Das ist wichtig, weil die Geologen auf möglichst genaue Grundlagen angewiesen sind.

Mittels der Bohrungen und zusätzlichen geophysikalischen Untersuchungen möchten die Geologen herausfinden, ob die Rutschung durch Entwässerung gebremst werden könnte. Dabei würden Entwässerungsstollen unter die Gleitschicht getrieben, damit das Wasser daraus abfliesst. Ob eine solche Sanierung der Rutschung auch die starken Bewegungen über dem Dorf bremsen oder gar stoppen würde, ist unbekannt.

Eine Lehre im Bau eröffnet Dir vielfältige Karrieremöglichkeiten, z.B. auch über die Berufsmatur zu einem Ingenieurstudium. Informiere Dich auf unserer Webseite über die Berufsbilder und Weiterbildungen.