«Ich wollte schon immer Strassenbauer werden»

«Ich wollte schon immer Strassenbauer werden»

Martial, bitte stellen Sie sich den Lesern kurz vor.

Ich bin 17 Jahre alt, wohne in Arlesheim. Habe zwei Schwestern. Meine Eltern und die Schwestern haben beruflich gar nichts mit dem Bau zu tun.

Sie sind jetzt im 1. Lehrjahr bei TOZZO AG und Sie haben mir schon beim ersten Vorstellungsgespräch gesagt, dass Sie schon immer Strassenbauer werden wollten. Was hat Sie an diesem Beruf so fasziniert?

Ich war etwa 4 Jahre alt, als bei uns die Strasse erneuert wurde. Da ging ich bei jedem Wetter schon früh morgens raus; manchmal sogar noch im Pijama. Ich stand dann jeweils im Blumenbeet. Wenn mich meine Mutter zu sich rief, war das oftmals erfolglos. Erst als die Bauarbeiter aufhörten zu arbeiten, z. B. Znüni- oder Mittagspause ging ich wieder ins Haus. Ich blieb auch bei Regen draussen. Mich faszinierten vor allem die Maschinen. Auch blieb ich öfters bei Spaziergängen bei jeder Baustelle stehen. So vergingen auch diese Ausflüge länger als geplant.

Hatten Sie dann als Kind Spielzeuge wie Bagger, Pneulader, Lastwagen usw.? 

Ich hatte alles gehabt und wollte immer mehr und grössere davon. Irgendwann reichte der Platz bei uns zu Hause nicht mehr aus. Es machte mir auch weh, wenn die Eltern von mir verlangten, dass ich aus Platzgründen das eine oder andere Geräte weggeben musste. Nachdem ich nicht mehr mit diesen Sachen spielten durfte (Sandkastenzeit war längst vorbei) wusste ich, dass die schöne Kindheit beendet ist. Ich habe aber immer noch einige Sachen. Und jetzt darf ich dann sicher bald mit echten Maschinen fahren! 😊

Sie hätten eigentlich von Ihrer Schulbildung her studieren können. War das für Sie einmal eine Option gewesen?

Niemals. Ich wollte einfach immer auf den Bau. Ich bin nicht der Typ, der stundenlang sitzen kann. Auch wenn es drinnen schön warm und trocken wäre, wäre es mir einfach zu langweilig. In der Berufsschule geht die Zeit sehr langsam vorbei. Beim Arbeiten läuft immer etwas und die Zeit verläuft extrem schnell. Ich sitze immer noch genug, wenn ich zu Hause am PC, usw. bin.

Oftmals haben Eltern bei Kindern, welche gute schulische Leistungen erbringen, den Wunsch, dass sie studieren. Was meinten Ihre Eltern dazu, als Sie den Wunsch der Strassenbauerlehre äusserten?

Meine Eltern fanden immer, dass ich lernen soll, was mir wirklich Freude macht. Meine Mutter wollte nämlich Schneiderin lernen und musste von ihren Eltern aus eine Banklehre absolvieren. Darum war es für meine Eltern immer klar, dass man den Beruf erlernen muss, an dem man Freude hat.

Das ist eine sehr schöne und gute Einstellung Ihrer Eltern, dass Sie Ihren Traumberuf lernen dürfen. Sie arbeiten nun bald ein halbes Jahr. Was sind Ihre Lieblingstätigkeiten im Strassenbau?

Das habe ich mich auch schon selbst gefragt: was mache ich am Liebsten? (es erfolgt eine kurze Pause) schöne Randsteine setzen und natürlich mit Kleingeräten arbeiten, z.B. Vibroplatten oder Grabenstampfer. Betonarbeiten fand ich auch spannend.

Gibt es Arbeiten, die Sie weniger gern machen?

Ja, wischen und so Kleinigkeiten wie auch mal den Bus putzen. Aber das muss halt auch geschehen. Abgesehen ist es auch entspannend, wenn ich mal was im Warmen machen kann, z.B. die Baubaracke reinigen (er lächelt).

Martial am Wischen

Welchen Ausgleich tätigen Sie ausserhalb der Arbeitszeit?

Ich bin Hilfsleiter in eine Pfadigruppe in Arlesheim. Ich kann aber nicht so oft dabei sein, weil ich halt spät nach Hause komme. Manchmal gibt es auch ein Gehetze, dennoch achte ich darauf, dass ich meistens am Dienstag dabei sein kann. Dann arbeite ich gerne im Garten, wenn es was zu tun gibt, vor allem die Grobarbeiten. Ansonst mache ich keinen Sport. Ich sitze vor dem Computer, wenn ich nichts für die Schule machen muss.
(Schmunzelnd) Und das nächste ist der Hausvorplatz 

Ihrer Eltern, den Sie neu erstellen wollen?

(lacht) Ja, das ist immer ein Thema zu Hause: Könntest Du nicht mal den Weg neu machen – oder so? Meine Antwort lautet dann: Klar, aber das geht dann nicht ganz unentgeltlich.

Gut. Da scheint der Geschäftsmann geboren zu sein. Was sind Ihre Zukunftspläne? Haben Sie schon konkret Vorstellungen?

Klar. Ich möchte meine Lehre mit der Note ca. 5.3 abschliessen. Und danach möchte ich viele Maschinen Ausbildungen machen. Viele sagen auch, ich könne mich doch bis zum Bauführer hocharbeiten. Das wäre ja wieder mehrheitlich drinnen, vor dem Computer sitzen und von Baustelle zu Baustelle fahren. Darauf habe ich keine Lust bis jetzt.

Die Ausbildung zum Maschinist ist bei TOZZO AG möglich. Die M1-Ausbildung haben Sie jetzt dann schon während Ihrer Lehrzeit. Ist die nächste Ausbildung der Kurs M2?

Das Wäre natürlich toll und würde mein Kindheitstraum erfüllen. (Schmunzelt)

Was stört Sie an gleichaltrigen Jugendlichen?

Dass sie nicht einen handwerklichen Beruf erlernen möchten. Die Meisten von meiner Schulde sind weiter ins Gymnasium gegangen oder haben einen kaufmännsichen Beruf erlernt. So habe ich es empfunden. Ich finde einfach an der Jugend von heute generell schade – auch wenn ich dazu gehöre – dass sie keine handwerklichen Berufe mehr erlernen wollen.

Was schätzen Sie an Ihren Freunden / Kollegen?

Die finden das in Ordnung, dass ich diesen Beruf gewählt habe. Auch wenn sie selber keinen handwerklichen Beruf haben, pflegen wir die Freundschaft gleichwohl.

Also die klassifizieren Sie nicht als «Minderwertiger», weil Sie Strassenbauer lernen?

Nein, im Gegenteil: sie sind eher etwas neidisch, weil ich viel mehr verdiene als sie. Ich necke sie auch ab und zu mal damit. (er lacht)
Ja natürlich, man muss auch die Vorteile eines handwerklichen Berufes erwähnen.

Nun kommt eine etwas schwierigere Frage: wenn Sie selber eine Gesetz machen könnte, wie würde das lauten?
Ich setze mich mit Politik eigentlich noch gar nicht auseinander. Aber: es geht um die allgemeine Sicherheit. Aber ab 2021 dürfen bereits 16-Jährige die Fahrprüfung für 125 Kubik-Motorräder machen. Das finde ich eigentlich sehr gefährlich.

Martial mit seiner Mutter