Katzenkopfsteinpflaster und historische Mauer

Katzenkopfsteinpflaster und historische Mauer

Warth-Weinigen Während vier Landwochen sind 40 Thurgauer Maurer- und Verkehrswegebau-lehrlinge dabei, in der Kartause Ittingen die Gehwege zu pflästern und marodes Mauerwerk zu sanieren.


Von weitem hört man beim Betreten des Innenhofes der Kartause Ittingen das Klopfen der Pflästererhammer auf den harten Stein und das Abwaschen mit den Schwammtaloschen. Wöchentlich sind je fünf Maurer- und Verkehrswegebauer-Lehrlinge im Rahmen eines zusätzlichen überbetrieblichen Kurses in der Kartause Ittingen tätig. Unter der Leitung ihres Instruktors Ralf Baumann und angeleitet von Restauratorin Doris Warger sanieren die Maurerlehrlinge eine alte Stützmauer beim Prioratsgarten mit ursprünglichen Materialien wie Sand, hydraulischem Kalk, hausgemachtem Sumpfkalk und Wasser. Die Wuchskraft des Efeus hat das Mauerwerk im Verlaufe der Zeit zerstört. Zusammen mit ihrem Instruktoren Jack Fey erstellen die Verkehrswegebaulehrlinge einen gepflästerten Verbindungsweg vom Priorat zum Museumseingang mit runden und in der Mitte gespaltenen Flusssteinen, sogenannten Katzenkopfpflastersteinen. Dabei gehen sie bei ihrer Arbeit in der gleichen Weise vor, wie er im Anschluss bereits vorliegt. «An dieser Stelle war zu Klosterzeiten eine Pflästerung vorhanden, wie dies aus alten Abbildungen ersichtlich ist», erklären die Verantwortlichen.

Neues optisch anpassen
«Wir haben alle Gemeinden, die Denkmalpflege und Schlossherren gebeten, uns geeignete Projekte zu melden», sagt Romeo Maasl, Geschäftsführer beim Thurgauischen Baumeister-Verband. Er ist erfreut, dass dieses alle drei Jahre stattfindende Projekt wiederum realisiert werden konnte. Insgesamt sind zehn Projekte eingereicht worden und bei der Evaluation wurde berücksichtigt, dass die Verkehrswegebauer miteingebunden werden konnten. «Letztlich entschieden wir uns für die Kartause Ittingen, weil sich hier Mauerwerk und Gehwege in idealer Kombination anboten», gibt Maasl zu verstehen. Wichtig ist für ihn nicht nur, dass keine einheimischen Unternehmen konkurriert werden, sondern, dass im Verlaufe der Renovation Neues optisch an Bestehendes angepasst wird. Der Baumeister-Verband übernimmt einen Teil der Instruktoren-Kosten und die Organisation, während der Bauherr für das leibliche Wohl sorgt und die Materialkosten und Inventarmiete trägt. Die Lehrlinge besuchen trotz ihrem Einsatz den ordentlichen Unterricht an der Berufsschule. Erfreut zeigt sich der Geschäftsführer darüber, dass sämtliche Lehrmeister die Landwoche mit ihrer positiven Haltung unterstützen. Nach Abschluss der Arbeiten plant man eine offizielle Übergabe an die Bauherrschaft.

Besonderes Handwerk
Der Zweitjahrlehrling Leandro Goldinger aus Dettighofen absolviert seine Lehre bei der Kibag AG. Sorgfältig legt er einen Flussstein um den andern in den vorbereiteten Betonkies. So entsteht ein besonderes Bild aus den vielen Katzenkopfpflastersteinen. «Ich arbeite erstmals mit solchen Steinen und diesen Materialien und lerne somit ein besonderes altes Handwerk», erklärt der junge Berufsmann. Ihm bereitet das Neupflästern des 1.6 Meter breiten Gehwegs hin zum Museumseingang sichtlich Spass. Und die beiden Instruktoren sind sich einig: «Die jungen Leute sind motiviert und leisten hier eine gute Arbeit». Nach dem Versetzen der Steine werden die Fugen mit Pflaster gefüllt und anschliessend mit der Schwammtalosche abgewaschen. Maurer-Lehrling Dylan Stöckle absolviert seine Lehre im zweiten Lehrjahr bei der Firma Stutz AG in Frauenfeld. Er steht hoch oben auf der Stützmauer beim Prioratsgarten mit Blick auf den Springbrunnen, das Thurtal und das verschneite Säntisgebirge. «Ich werde hier beim Verputzen mit einer völlig neuen Technik konfrontiert und das Restaurieren und Erhalten macht mir Freude». Beim Verputzen und Gerüsten musste mit Rücksicht auf die vor der Mauer wachsenden Rosen vorsichtig vorgegangen werden. Geschäftsführer und Instruktoren sind sich einig: «Wir wollen bei diesen jungen Berufsleuten das Verständnis für das alte Handwerk wecken».

Dylan Stöckle verputzt ein alte Mauer mit Mörtel aus ursprünglichen Materialien.
Bild: W. Lenzin

Leandro Goldinger beim Erstellen des alten Gehweges aus Katzenkopfpflastersteinen.
Bild: W. Lenzin