Maurer und Hochschulabsolvent

Maurer und Hochschulabsolvent

Christian Häni ist keiner, der Herausforderungen scheut. Der Bauführer betreut die erste papierlose Baustelle der Schweiz und strebt, als gelernter Maurer, einen Master an der Hochschule Luzern an.

Die Anforderungen an die Kaderleute der Bauwirtschaft nehmen immer mehr zu. Die Produktionszeiten sind kurz, die Aufgaben vielfältig, die Kunden anspruchsvoll und der Konkurrenzdruck steigt kontinuierlich. Gleichzeitig sinken die Margen. All das fordert die Führungskräfte auf dem Bau und verlangt ein gesamtheitliches Denken und Handeln, organisatorisches und planerisches Können sowie Kenntnisse in der Projektsteuerung. Die Hochschule Luzern (HSLU) bietet seit 1999 eine Weiterbildung CAS in Projektmanagement Bau an. Am 25. September 2020 nahm der 1000. Absolvent dieses Studiengangs sein Abschlussdiplom entgegen.

Master als Ziel

An der gleichen Feier erhielt Christian Häni ein CAS-Diplom im Projektmanagement Bau. Er wird die HSLU weiter besuchen, denn sein Ziel ist ein Master Baumanagement. «Die heutigen Bauprojekte werden immer komplexer, es gibt mehr Akteure, mehr Normen und mehr Vorgaben. Das ist sehr anspruchsvoll für Führungskräfte», sagt er. Dass er dereinst die Hochschule besuchen würde, hätte Häni noch vor einigen Jahren nicht gedacht. «Ursprünglich wollte ich Automechaniker werden», erzählt er, «weil mein Vater aber meinte, ein technischer Bauberuf biete viele Möglichkeiten, ging ich dennoch auf dem Bau schnuppern. Und stellte fest, dass mir der Maurerberuf gefiel.» Häni absolvierte eine Maurerlehre bei der Ruch Bauunternehmung AG in Kradolf. Später wechselte er zu Brunner Erben AG, eine Unternehmung, die 2014 von der Strabag übernommen wurde. Dort ist er immer noch tätig, derzeit als Bauführer im Ingenieurbau. Aktuell ist er zuständig für den Neubau des Kraftwerk Schils in Flums. Es handelt sich dabei um die erste papierlose Baustelle der Schweiz. Anstatt mit Plänen wird anhand von digitalen Modellen gebaut, weshalb Tablets die Papierpläne ersetzen. Es handelt sich um ein Leuchtturmprojekt der Digitalisierung.

Gut gefördert

In seiner Karriere, betont Häni, sei er von seinen Chefs immer gefördert und unterstützt worden. Nach der Bauführerschule in St. Gallen stellte sich für ihn die Frage, welchen Weg er weiter einschlagen wollte. Er meint: «Die Baumeisterausbildung ist sehr praxisbezogen und recht technisch. Ich denke aber, dass Führungskräfte heute immer weniger technische Aufgaben lösen müssen. Sie brauchen ein solides theoretisches Wissen in der Abwicklung von Projekten oder in der Führung von Bauunternehmen. Dieses Wissen bietet einem die Hochschule. Deswegen habe ich diesen Weg gewählt. Es braucht, in meinen Augen, in den Bauunternehmen auch Hochschulabsolventen.»

Eine Erfolgsgeschichte

Der Studiengang Projektmanagement an der HSLU ist eine Erfolgsgeschichte. Der Ausbildungsgang startete 1999. Das modulare Weiterbildungsprogramm MAS Baumanagement bietet den Absolventen ein breites Methoden- und Fachwissen sowie Instrumente, die ein professionelles Projektmanagement sicherstellen. Die erlernten Methoden und Herangehensweisen sollen den Arbeitsalltag erleichtern. Daniel Scheifele, Chief Real Estate Officer am Flughafen Zürich und einer der Redner an der Diplomfeier, lobte, dass der Studiengang eine Projektmanagement-Ausbildung auf Hochschulniveau böte. Er sagte: «Die Bauwirtschaft braucht diese Fachleute.»


Die HSLU ist bestrebt, immer ein praxisnahes und aktuelles Weiterbildungsprogramm anzubieten. Deshalb wurde ein neuer Lehrgang «CAS Baurecht» entwickelt, welcher im März 2021 startet.