SCHNEE? SICHER!

SCHNEE? SICHER!

Damit diesen Winter das gesamte Skigebiet der Torrent-Bahnen in Leukerbad/VS befahren werden kann, baut der Tiefbauspezialist Theler AG seit Sommer 2017 eine fünf Kilometer lange Beschneiungsanlage.

Ende September im Oberwallis: Noch lässt sich der Winter nur erahnen. Vereinzelt sind ein paar Schneeflecken zu sehen am weitgehend grünen Skihang oberhalb des beliebten Feriendorfes Leukerbad. «Beim ersten Schneefall müssen wir unsere Arbeiten fertiggestellt haben», erklärt Klaus Burgener, Bauführer bei der Theler AG aus Raron. Und der Schnee kommt bereits im November. Die Torrent-Bahnen LeukerbadAlbinen AG geht dieses Jahr kein Risiko ein und lässt das Skigebiet von den Stationen Rinderhütten und Torrentalp bis zur Station Flaschen per Anlage beschneien. «Im November sind die Temperaturen ideal. Und da man ja nicht weiss, was der restliche Winter noch so bringt, wird ab da zur Sicherheit beschneit», erklärt Klaus Burgener. Doch damit das uneingeschränkte Pistenvergnügen garantiert ist, brauchte es einiges an Vorarbeit – und das bereits seit zwei Sommern. 

Ein Speichersee und 86 Leitungsschächte
Los gingen die Arbeiten für das Tiefbauunternehmen Theler AG bereits im Sommer 2017: «Das Anlegen des Speichersees bei der Station Rinderhütte auf 2340 Metern über Meer war eine Herausforderung. Wir mussten viel Fels sprengen.» Das Speichervolumen des Sees beläuft sich auf über 60000 Kubikmeter. Das Aushub Material wurde für den Bau des Damms verwendet. Im Anschluss wurde der See mit einer Folie ausgelegt. Künftig speist er sich mit Schmelzwasser. Dieses wiederum gelangt im kommenden Winter in die Leitungen der Beschneiungsanlage und sorgt so für beste Pistenverhältnisse. «Sobald die Umgebungsarbeiten rund um den See gemacht sind, sollte er im nächsten Sommer auch als Ausflugsziel dienen.» Das kann man sich gut vorstellen, denn sogar an einem bewölkten Tag im Spätherbst leuchtet der künstliche Bergsee in karibischem Blau – fehlen nur noch der Sonnenschirm und das Badetuch. Doch dafür hat heute niemand Zeit, denn jetzt müssen die letzten Arbeiten auf einer Grabenlänge von rund fünf Kilometern gemacht und die 86 Schächte in 1,6 Metern Tiefe fertiggestellt werden.

«Als ich im Frühling das Bauprogramm für den Sommer 2018 gemacht habe, dachte ich, die Zeit reicht locker aus, um bis Anfang November fertig zu werden.» Doch trotz minutiöser Planung und dem Einsatz von je zwei Hydraulik- und zwei Schreitbaggern wird es am Ende noch eng. «Das Gelände war schlussendlich viel felsiger, als wir gedacht haben. Wir mussten sehr oft sprengen, das hat Zeit gekostet.» Zudem lag noch bis Juni Schnee auf dem oberen Drittel der Piste, so dass das Theler-Team das Feld von unten aufzurollen begann. Nach den Sprengungen muss der Aushub an den steilen Hängen jeweils mit Schreitbaggern, an den flacheren Stellen mit den Hydraulikbaggern abgetragen werden.

Beschneiungsanlage

126 Stockwerke an einem Tag
Die letzten Arbeiten erstrecken sich zum grössten Teil über den unteren Pistenabschnitt. Für Polier Pascal Kohlbrenner heisst das vor allem eines: Viel Laufarbeit! «Ich bin fast nur zu Fuss unterwegs, es lohnt sich nicht, mit der Sesselbahn zu fahren. Meine Leute sind ziemlich verteilt und ich muss den ganzen Tag den Berg hoch und wieder runter.» Ein Blick auf sein Handy verrät: An einem normalen Arbeitstag kommen locker 18'000 Schritte und eine Höhendifferenz von 126 Stockwerken zusammen. Da braucht es kein Fitnesstraining mehr! Ein paar hundert Meter oberhalb der Station Flaschen sind ganz andere Leistungen gefragt: Hier kleben zwei Schreitbagger am ultrasteilen Hang und kümmern sich um den Aushub der letzten Sprengung. Für die beiden Baumaschinenführer bedeutet das: höchste Konzentration. Denn immerhin müssen sie eine tonnenschwere Maschine mit vier Beinen und vier Krallen sowie einer Schaufel handeln. Es gilt, möglichst zu verhindern, dass grosse Felsbrocken ins Tal rollen. Da das aber nicht immer machbar ist, wurden im Pistenhang Sicherheitszäune erstellt und unten im Tal zwei Sicherheitsgräben gebaut.

Als wäre nichts geschehen

Die Gräben sind weitgehend fertiggestellt und die Leitungen verlegt. Bis im November müssen noch die letzten Lanzen aufgestellt und die Gräben verschlossen werden. Die durch den Bau beanspruchten Pistenabschnitte werden wieder in Ordnung gebracht. So kann noch vor Wintereinbruch eine sogenannte Schlafsaat ausgelegt werden. Die hält sich dann still und erblüht im Frühling in voller Pracht. Unterhalb der Station Rinderhütte ist Baumaschinenführer Heinz Grand, 51, aus Susten/VS mit seinem Hydraulikbagger am Werk. Beim Humusieren ist er weit und breit der einzige Mensch am Berg. «Ich sitze seit über 25 Jahren in Baumaschinen, sie faszinieren mich. Die Einsamkeit hier oben macht mir nichts aus, im Gegenteil.» Denn obwohl es hier nicht ganz so steil ist, mit dem 33 Tonnen schweren Gerät kann man auf dem rutschigen Boden leicht in Bewegung geraten. «Es erfordert schon Konzentration und heikle Situationen gibt es immer wieder. Aber die lassen sich immer beheben.» Und wenn es zu gefährlich wird, kommt beim Schreitbagger die Seilwinde zum Einsatz. Im oberen Teil sind die Humusierungsarbeiten bereits abgeschlossen, ein Blick den Hang hinauf zeigt: Wären da nicht die letzten Materialhügel am Pistenrand, man würde nicht vermuten, dass hier noch vor kurzem schwere Maschinen, Sprengmeister und Leitungsverleger am Werk waren. Einzig die schlanken, silbernen Lanzen, die alle 50 Meter rund eineinhalb Meter aus dem Boden ragen, zeugen davon, dass hier bald schon weisse Pracht von Menschenhand erschaffen wird.


Text: B. Magazin