Seitenwechsel

Seitenwechsel

Der ETH-Ingenieur Rolf Stadelmann (50) war über 20 Jahre als Planer im Untertagbau tätig. Als stellvertretender Grossprojektleiter für den Kanton St. Gallen hat er die Seite gewechselt und ist jetzt Bauherr.

Jetzt mache ich die Termine

«Als ich vor sechs Jahren aus der Privatwirtschaft zum Tiefbauamt des Kantons St. Gallen wechselte, suchte ich bewusst die Herausforderung eines Grossprojektes. Ich wechselte von der Planerseite zur Bauherrschaft. Mich reizt die Vielfalt der Aufgabe: Ich bin Ansprechperson für die verschiedenen Sparten und koordiniere die Schnittstellen. Als Projektleiter muss ich die Termine ständig im Blick haben und langfristig planen. So bin ich zum Beispiel schon heute am überlegen, was wir nächstes Jahr machen, damit uns das Wetter nicht zu sehr in Verzug bringt. Als Planer war ich auf der ausführenden Seite, Kosten- und Termindruck waren vorgegeben. Als Bauherr mache ich die Termine selber – eingehalten werden müssen sie natürlich trotzdem. Bezüglich der Kosten habe ich für das laufende Projekt keine schlaflosen Nächte. Ich weiss, dass wir den gesprochenen Kredit nicht ausschöpfen werden.

Halb Büro, halb Baustelle

Wir sind ein kantonaler Betrieb, da sind die Arbeitszeiten von Gesetzes wegen geregelt. Zurzeit arbeite ich pro Woche um die 47 Stunden – also im normalen Bereich. Dabei bin ich meist zur Hälfte im Büro, zur anderen Hälfte unterwegs auf den verschiedenen Baustellenabschnitten. Nach 20 Jahren im Tunnelbau interessieren mich die einzelnen Arbeiten natürlich und ich kann mein Wissen einbringen. Etwas, das ich nicht erwartet hätte, bevor ich die Stelle antrat, ist der häufige Kontakt mit der Bevölkerung. Ich kümmere mich jeden Tag um verschiedene Anliegen: Lärmklagen, verschmutzte Strassen, Nichteinhalten der Arbeitszeiten – es sind viele verschiedene Probleme. Ich finde es sehr wichtig, direkt mit den Leuten zu reden, auch mal mit ihnen vor Ort auf die Baustelle zu gehen und ihnen die Sachlage zu erklären. Wir können Fehler zugeben und suchen immer nach der besten Lösung für alle. Inzwischen kennt mich wohl jeder einzelne Anwohner in Bütschwil mit Namen. Das stört mich nicht, ich bekomme auch gute Feedbacks und das Vertrauen der Anwohner ist da.

Text: B. Magazin