Sie sind gekommen, um zu lernen

Sie sind gekommen, um zu lernen

Was Bauunternehmer Walo Bertschinger auf einer Töfftour 2013 entdeckt hat und wie daraus ein reger Austausch zwischen dem Königreich Bhutan und den Strassenbauern in der Schweiz wurde.

Auf seiner Töfftour durch das Königreich Bhutan zwang Walo Bertschinger eine Panne zu einem unfreiwilligen Halt. Er landete vor den Toren des Technical Training Institute (TTIC) in Chumey. Das TTIC ist ungefähr das Gegenstück zur Berufsfachschule in Sursee.

Obwohl Bhutan etwa gleich gross ist wie die Schweiz, liegen 80 Prozent des Landes auf über 2000 Metern über Meer. Der National Highway, die Hauptstrasse Bhutans, führt rund 250 Kilometer durch das Land. Die Strassen in Bhutan werden meist von indischen Taglöhnern erstellt, denn eine Strassenbauer-Ausbildung gibt es nicht. Am TTIC werden Maurer-, Schreiner-, oder Sanitärarbeiten gelehrt.

Die Arbeit als Strassenbauer ist in Bhutan weniger gut angesehen. Das gab Walo Bertschinger zu denken. Er beschloss, am Image des Berufsstandes etwas zu ändern. Sein Ziel: In Bhutan eine ähnliche Ausbildung wie in der Schweiz aufzubauen.

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Im Königreich

Nach einiger Vorarbeit von Walo Bertschinger reisten ÜK-Lehrer Christoph Gobetti und ein Walo-Lernender nach Bhutan. Sie machten sich ein Bild von den Lernbedingungen am TTIC. Gobetti hielt vor Ort einen Überbetrieblichen Kurs (ÜK) ab. Die Hallen sind unter freiem Himmel und die Schüler des TTIC zeichneten zum ersten Mal vorgängig einen Plan des Objektes.

«Wir erstellten einen Schacht mit Durchlaufrinne, das gab es so vorher nicht in Bhutan. Was mir sehr imponierte: Die Schüler und Schülerinnen am TTIC sind sehr lernbegierig und saugen jedes Wort auf. Zudem sind die Bhutaner hervorragende Handwerker», erzählt Gobetti. Übrigens: Die Hälfte der Lernenden in Chumey sind Frauen!

Aufgrund dieser Erfahrungen wurde beschlossen, ausgewählte Instruktoren des TTIC nach Sursee zu holen, um ihnen das Unterrichten und die Grundlagen des Strassenbaus näher zu bringen. So kamen die ersten drei Instruktoren aus Bhutan nach Sursee.

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Lernen und improvisieren

Erlernte Techniken in Sursee müssen jedoch teilweise an die Bedingungen in Bhutan angepasst werden. Eine Herausforderung ist beispielsweise, dass in Bhutan kein Zement hergestellt wird. «Wenn das Material fehlt, schauen wir, wie wir die Arbeit mit dem machen können, was uns zur Verfügung steht», so Naku.

Neben der Technik geht es auch um Wissensvermittlung und den Umgang mit den Lernenden. Auch dafür sind Jigme, Leki, Ganga und Naku für einen Monat in die Schweiz gekommen. Naku ist Chef-Instruktor im TTIC und Ganga der Chef-Instruktor des zweiten TTI des Landes in Dekiling. Ganga und Leki besuchen den Kurs ‹Schalen, Armieren, Betonieren› in Halle 11. Naku schaut genau hin, wie mit den Lernenden agiert oder der Unterricht gestaltet wird, damit er es an seine Instruktoren weitergeben kann.

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Für ein besseres Image

In Bhutan zählen Maurer und Strassenbauer nicht gerade zu den angesehenen Berufen. Für diese Arbeiten werden günstige Tagelöhner aus Indien beschäftigt. Diese führen die Arbeiten nach indischem Standard aus. «Das Baugewerbe ist ein junges Gewerbe in Bhutan. Es gibt keine Unternehmen mit langer Tradition und fundiertem Wissen. Die Firmen haben kein Geld für Maschinen», erklärt Gobetti. Die Regierung dort möchte die Qualität der Strassen erhöhen. Walo Bertschinger wiederum Ruf und Image des Baugewerbes verbessern.

In Zusammenarbeit mit der Helvetas wird seit 2013 stetig daran gearbeitet: Die Instruktoren in Bhutan lernten in einem weiteren Schritt mehrere Schächte und ein Leitungssystem zu bauen. «Zurzeit werden die Strassen in Bhutan einfach dort gebaut, wo der Bulldozer durchfährt, nicht dort, wo ein Ingenieur sie plant. Ein Entwässerungssystem gibt es nicht», so Gobetti. So gehen viele Strassen beim Einsetzen des Monsuns kaputt. «Wir möchten den Instruktoren der TTIs Schritt für Schritt zeigen, wie man sichere Strassen baut, die lange halten.»


Text: B. Magazin