Tausche Schulsack gegen Pflasterstein

Tausche Schulsack gegen Pflasterstein

Schnuppern auf der Baustelle ist oft nicht einfach, denn nicht jede Baustelle eignet sich für eine Schnupperlehre. Deshalb bietet der Baumeisterverband im Kanton Bern jeweils im April für Schülerinnen und Schüler einen viertägigen Maurer-Schnupperkurs in den Ausbildungszentren Burgdorf und Thun an.

Dabei zeigen die Berufsbildner, die auch die Lernenden in den überbetrieblichen Kursen schulen, den Jugendlichen das Maurer-Handwerk. Und das ist vielseitig: Denn neben dem Erstellen von Mauerwerken gehören auch Boden- und Schalungsarbeiten sowie das Verputzen dazu.

Bereits am ersten Kurstag dürfen die Schülerinnen und Schüler selbst Hand anlegen. Sie mischen den Mörtel an, machen sich mit den Werkzeuge vertraut und Schroten die ersten Steine. Nach einem vorgegebenen Plan erstellen sie in den folgenden drei Kurstagen ein kleines Mauerwerk mit dazugehörendem Boden und Verputz. Die Berufsbildner stehen stets mit Rat zur Seite und bieten Hilfe, wo nötig. «Am besten gefiel mir das Sichtmauerwerk», sagte Marco, einer der diesjährigen Teilnehmer. «Dort sieht man, wie präzise und genau die Steine aufeinander gemauert sind». Tatsächlich ist Mauern ein exaktes Handwerk. Man stelle sich nur die Folgen vor, wenn der Maurer die Lücke für die Fenster um nur einen Zentimeter zu klein mauert! Genau, das Fenster würde nicht passen und man müsste einen Teil der Wand wieder wegspitzen.

Eine Schalung wird beim Betonieren benötigt. Sie ist etwas ähnliches wie eine Backform, in die der Teig gegossen wird. Sie wird aus Holz oder Metall nach Plan erstellt und verschraubt. Anschliessend wird der Beton eingegossen. Sobald der Beton ausgehärtet ist, wird die Schalung entfernt und optimalerweise kommt eine porenfreie Betonkonstruktion zum Vorschein. Im Schnupperkurs erhalten die Jugendlichen einen ersten Eindruck dieser Arbeit und giessen selber kleine Betonformen.

Teamarbeit ist auf der Baustelle ebenso wichtig wie sauberes Arbeiten und Ordnung am Arbeitsplatz. Das wird auch im Schnupperkurs praktiziert: Wenn die Schülerinnen und Schüler am Ende jedes Kurstages ihre Baustelle – den Platz mit ihrem Mauerwerk – aufräumen, ist Teamwork angesagt. Die Mörtelbottiche und Werkzeuge müssen gesäubert, der Hallenboden gewischt und alles an seinen Platz zurückgestellt werden. Das geht am schnellsten, wenn jeder mit anpackt.

Nach vier Schnuppertagen ist es geschafft: Die stolzen Jugendliche stehen in den Ausbildungszentren neben ihren ersten Mauerwerken und strahlen um die Wette. Die Berufsbildner wiederum freuen sich, wenn sie ein Jahr später im ersten überbetrieblichen Kurs den einen oder anderen ehemaligen «Schnupperli» wiedersehen.