Wo ein Wille ist, ist ein Weg

Wo ein Wille ist, ist ein Weg

Der Strassenbau schafft Perspektiven. Najmedin kam vor knapp vier Jahren aus Afghanistan in die Schweiz. Mittlerweile absolviert der 20 jährige eine Ausbildung zum Strassenbaupraktiker EBA bei der Tozzo AG.

Ich bitte Sie, sich unseren Lesern kurz vorzustellen.

Ja, gerne. Ich bin Najmedin Naderi und komme aus Afghanistan, bin bald 20 Jahre alt. Ich wohne in Bubendorf, Kanton Baselland, dort wo ich auch arbeite. Ich mache eine Lehre als Strassenbauer EBA bei der Firma Tozzo. Meine Hobbies sind Kick-Boxen und schwimmen.

Sie haben erwähnt, dass Sie in Afghanistan aufgewachsen sind. Was sind Ihre besten Erinnerungen von dort?

Dass ich oft mit meiner Mutter in der Küche geholfen habe wie ihre Tochter (lacht) und draussen habe ich viel mit Kollegen gespielt, die ich dort hatte.

Gibt es etwas in Afghanistan was Sie am Liebsten vergessen würden?

Der Krieg natürlich. Er war zwar nicht sehr nahe, aber trotzdem. Ich habe das erlebt.

Wie lange sind Sie in der Schweiz?

Fast 4 Jahre.

Was fasziniert Sie am Meisten in der Schweiz?

Die Kultur. Ja und was mich natürlich fasziniert, dass alle in die Schule gehen können. In Afghanistan kann man nur in die Schule, wenn man in der Stadt wohnt und man muss alles selber bezahlen. Das Leben hier in der Schweiz ist frei. (Bildungsfreiheit, Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit ect.)

Sie haben die Vorlehre mit Erfolg abgeschlossen. Nun sind Sie in der EBA-Lehre. War der Wechsel von der Vorlehre in die EBA-Lehre schwierig?

Für mich war es nicht schwierig. Nur in der Schule habe ich ein wenig Angst wegen den Noten.

Als Hobby machen Sie Kickboxen. Gab es schon eine Situation, wo Sie über Ihr Training froh waren?

Freitagabends gehe ich gerne ins Training, da ich einen Sparringpartner habe. (Gegner im Ring). Da kann ich zeigen, was ich im Training während der Woche gelernt habe. Aber man macht das in Freundschaft; ich schlage den Gegner nicht einfach so.

Waren Sie schon mal K.O.?

Ja und ich hatte mich am Kopf verletzt. Aber es war nicht im Sparring. Es war ein Junger, dem ich gewisse Sachen zeigte. Er probierte es aus und erwischte mich mit seinem Ellbogen voll am Kopf.

Warum habe Sie den Strassenbau als Beruf gewählt?

Da ich draussen arbeiten kann. Ich bin ein handwerklicher Typ. Ich will mit Händen arbeiten.

Aber den Kopf braucht es auch dabei?
(lächtelt). Ja, ich brauche auch den Kopf – sehr viel!

Was ist schon passiert, dass Sie froh waren, die persönliche Schutzausrüstung getragen zu haben?

Ich hatte mich geschnitten. Aber weil ich Handschuhe angehabt habe, war die Verletzung nicht so schlimm. Das ist auch so, wenn ich die Hände einklemme. Es ist auch wichtig für mich, dass wenn ich mit Beton oder Mörtel arbeite, immer die Handschuhe trage.

Was ist das Unangenehmste, was es am Strassenbau gibt?

Es gibt gar nichts.

Also das heisst, dass Sie alles gern haben?

Ja. Ich mache alles gerne. Und was mir schwer fällt, übe ich. Bis jetzt habe ich nie etwas schwierig oder langweilig gefunden.

Was machen Sie aber am liebsten als Strassenbauer?

Schacht versetzen, Belag einbauen – ja einfach alles, was zum Strassenbau gehört.

Durften Sie schon viele Arbeiten selbständig ausführen?

Ja schon. Und wenn ich etwas nicht kann, frage ich immer und so kann ich einfach immer mehr lernen. Herr Laubi ist mein Ausbildner und er macht es sehr gerne, mir alles zu erklären.

Das tönt ja alles sehr positiv. Aber Hand aus’f Herz: hatten Sie auch schon mal keine Lust etwas zu lernen? Oder etwas Negatives erlebt, worüber Sie sich ärgerten?

Am Meistens hat es mich genervt, wenn ich den Stecker bei der Wasserpumpe immer wieder rausziehen und einstecken musste, weil ein Schwimmer, der das Ein- und Ausschalten nicht automatisch machte – nicht montiert werden konnte. Es hatte geregnet. Alles war nass. Das machte wirklich keine Freude!

Was machen Sie, wenn Sie Arbeiten bekommen, die sie nicht so gerne machen? Wie motivieren Sie sich?

Ouh! Ja, dann mach ich halt die Arbeit gleichwohl und freue mich auf die nächste Arbeit, die dann besser ist, die ich dann wieder lieber mache.

Was stört Sie an den gleichaltrigen Jungs?

Sie sind sehr unterschiedlich, es gibt junge Leute, die sind sehr unhöflich und haben keinen Respekt zu den Eltern oder älteren Menschen. Aber wenn sie «normal» sind, stört mich nichts.

Was finden Sie super an Ihren Freunden?

Ja, dass sie treu sind und hilfsbereit sind.

Haben Sie gute Schulkollegen?

(strahlt) Ja. Am Anfang nicht so. Aber ich helfe auch, wenn ich kann und nun helfen sie mir auch, wenn ich etwas nicht so gut verstehe in der Sprache. Ich habe viel mehr Kollegen als früher.

Also das heisst: Dass Sie in der Schule Ihre Kollegen unterstützen können. Womit dann?

In der Berufskunde bin ich nur der Zweibeste, aber im Praktischen bin ich der Beste (lacht voller Stolz).

Gibt es etwas, was Sie unseren Lesern noch mitteilen möchten?


Die Menschen sollen hilfsbereit sein und sollen Freundschaften haben … (lacht) und sie sollen Strassenbauer werden! Tipp an den jungen Leser: gebe nie in Deinem Leben auf und sage nie, dass Du es nicht kannst. Erreiche Deine Ziele und sei einfach stolz auf Dich.

Najmedim beim Strassenversetzen

Najmedim beim Strassenversetzen (Bild oben zvg)